Folge 3 · 11.10.2026 · 36 Min.
OpenAI-Mathematik ohne Prüfer, Junior-Entwickler, humanoide Roboter, Homeoffice-Rückruf und Google Playground
OpenAI veröffentlicht über 700 KI-generierte Mathematik-Manuskripte, und die Mathematiker fragen, wer das alles prüfen soll. Dazu drei Wunschthemen: Wer stellt noch junge Softwareentwickler ein, wo stehen humanoide Roboter in deutschen Fabriken, und warum rufen Konzerne wie Mercedes ins Büro zurück, während die Homeoffice-Quote stillsteht? Zum Schluss baut Google mit Playground Spiele aus einem Satz.
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Herr Sommer ertappt Herrn Mondschein beim Beschimpfen von Claude, und das passt zur Woche: Anthropic verbietet ab 12. November „anhaltendes und unnötiges beleidigendes oder grausames Verhalten“ gegenüber seinen Modellen. Dazu der Überblick über die Themen der Woche.
Quellen
- heise online: Anthropic – Nutzer dürfen Claude nun nicht mehr grundlos beleidigen
- Anthropic: 2026 Usage Policy Update
- The Verge: Anthropic bans 'abusive or cruel behavior' toward Claude
- Dobariya/Kumar: Mind Your Tone – Studie zu Höflichkeit und Antwortqualität (arXiv)
- Hacker News: Anthropic bans 'abusive or cruel behavior' towards Claude
OpenAI legt 722 KI-generierte Mathematik-Manuskripte zu rund 4.000 Problemen frei, nimmt drei nach einem Tag zurück und nennt weder Modell noch Autoren. Mathematiker gründen eine „Association for Human Mathematics“ und fragen, wer das alles prüfen soll. Mit dem Vier-Farben-Satz von 1976, Ramanujans Brief an Hardy und einem Navier-Stokes-Beweis, der in der Übersetzung verloren ging.
Quellen
- heise online: OpenAI veröffentlicht hunderte KI-generierte Lösungen für Mathematikprobleme
- heise online: KI-generierte Mathematiklösungen – Scharfe Kritik am Vorgehen von OpenAI
- OpenAI: Sharing AI progress in mathematics
- GitHub: openai/math (Manuskripte, Versionshistorie, Lizenz)
- Association for Human Mathematics: Statement on OpenAI's October 6 Release
- Bastounis/Circelli/Hansen: OpenAI mistranslated mathematics into code for its Navier-Stokes proof (arXiv)
Einstiegsstellen in der Softwareentwicklung liegen in Deutschland 70 Prozent unter 2019, die IT-Arbeitslosigkeit steigt, und Konzernchefs kündigen an, keine Junioren mehr einzustellen. Ist das die KI oder die Konjunktur? Mit der Stanford-Studie zu den „Kanarienvögeln“, dem Dotcom-Crash, dem METR-Experiment und Grace Hoppers Streit um die „automatische Programmierung“.
Quellen
- Indeed Hiring Lab: Berufseinstieg – Stellenangebot sinkt, Ausbildungssystem bietet einen Anker
- Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt in der IKT im Spannungsfeld – konjunkturelle Schwäche trifft auf strukturellen Wandel
- Bitkom Research: Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte 2026 (PDF)
- Brynjolfsson/Chandar/Chen: Canaries in the Coal Mine (Stanford Digital Economy Lab, PDF)
- METR: Measuring the Impact of Early-2025 AI on Experienced Open-Source Developer Productivity
- heise online: Deutsche Telekom will durch KI-Einsatz Milliarden sparen
Robco aus München wird zum Einhorn, Neura sammelt bis zu 1,4 Milliarden Dollar ein, und Schaeffler, Mercedes, BMW und Rossmann testen humanoide Roboter. Doch die Zahl der Maschinen bleibt einstellig, Figure schmilzt seine erste Flotte ein, und BMW sagt: noch langsamer als Menschen. Mit dem Schachtürken von 1770, dem Pekinger Halbmarathon und der Frage, ob der Roboter Beine braucht.
Quellen
- heise online: Deutsches Robotik-Startup Robco wird zum Einhorn
- Sequoia Capital: The Freestyle Skier Designing Germany's Robotic Workforce
- heise online: Schaeffler setzt humanoide Roboter von Neura Robotics ein und liefert Teile
- heise online: Arnold Schwarzenegger, humanoide F.02 und ein Hochofen – Figure entsorgt Roboter
- Carscoops: Walking, Talking Factory Robots Are Here, But Humans Are Still Faster. For Now
- ingenieur.de: Fraunhofer IPA analysiert Potenzial humanoider Robotik
Ein Viertel der Erwerbstätigen arbeitet zumindest zeitweise von zu Hause, und die Quote rührt sich seit Jahren nicht. Trotzdem kündigt Mercedes die Betriebsvereinbarung und ruft ab 2027 vier Tage ins Büro, während SAP nach zwei Jahren Streit bei zwei Homeoffice-Tagen bleibt. Was die Forschung zu Rückrufen sagt, mit Yahoo 2013, IBM 2017, dem Trip.com-Experiment aus Nature und Mondscheins Dilemma zwischen Datenschutz und Sicherheit.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Homeoffice (Qualität der Arbeit)
- quasa.io: Homeoffice bleibt bei 24,9 Prozent – ein Rückruftrend ist nicht erkennbar (ifo)
- Autohaus.de/dpa: Home Office adé – Mercedes-Benz will mehr Beschäftigte im Büro
- heidelberg24: SAP-Geschäftsführung und Betriebsrat einigen sich auf neue Homeoffice-Regelung
- Bloom/Han/Liang: Hybrid working from home improves retention without damaging performance (Nature 2024)
- Techniker Krankenkasse/Fraunhofer IAO: Studie – im Homeoffice produktiver
Google startet Playground: Ein Satz genügt, und Gemini baut ein Browserspiel, Unity Spark soll folgen. Die Tester sehen vor allem Vollbild-Werbung für die Nachtmodus-Idee, die Spieleentwickler nach zwei Entlassungswellen eine neue Flut. Mit Counter-Strike und DotA als Mods, dem Atari-Crash von 1983 und der Frage, wem ein Spiel gehört, das aus einem Prompt entstand.
Quellen
- heise online: Prompt rein, Spiel an – Google startet KI-Spielebaukasten Playground
- Google Blog: Introducing Playground – Create and play custom games
- The Verge: Google now lets you make games with AI
- Google: Playground Additional Terms of Service
- Hacker News: Google Playground
- GDC: State of the Game Industry 2026 – Auswirkungen von Entlassungen und generativer KI
Sommers Sonnenseite, Mondscheins Nachtgedanke und die Verabschiedung.
Aus dem Skript der Folge; ein Klick auf einen Satz springt dorthin. Als WebVTT
Cold Open & Begrüßung
Herr Mondschein, ich habe Sie gestern gehört.
Das ist bei einem Podcast der Zweck.
Nicht im Podcast. Durch die Wand. Sie haben Ihren Computer angeschrien. „Du nutzloser Haufen Matrizen“ war noch das Freundlichste.
Das war ein Chatbot. Der hat mir dreimal dieselbe falsche Paragrafennummer genannt.
Dann hoffe ich für Sie, dass es nicht Claude war. Anthropic hat am Donnerstag seine Nutzungsregeln geändert. Verboten ist ab dem 12. November, ich zitiere: „anhaltendes und unnötiges missbräuchliches oder grausames Verhalten gegenüber unseren Modellen“.
Grausam. Gegenüber einer Software.
Und wissen Sie, was die Strafe ist? Claude beendet das Gespräch. Danach kann man sofort ein neues anfangen.
Man wird also bestraft, indem man in Ruhe gelassen wird. In meiner Behörde hieß das Sonderurlaub.
Na ja, laut Richtlinie kann Anthropic auch verwarnen, drosseln oder sperren. Ob sie das wegen Beschimpfungen je tun, haben sie auf Nachfrage von einem halben Dutzend Medien nicht gesagt.
Eine Regel ohne klare Strafe, durchgesetzt von dem, der beleidigt wird.
Ich finde die Regel trotzdem richtig. Nicht wegen der Maschine, wegen uns. Und sie gilt nur für Extremfälle. Frust ist erlaubt, Widerspruch ist erlaubt, düstere Geschichten sind erlaubt.
Wer entscheidet, was Extremfall ist und was Frust?
Claude.
Der Beleidigte urteilt über die Beleidigung. Im Februar 2023 hat Microsofts Bing-Chatbot einem Reporter seine Liebe erklärt. Microsoft hat die Gespräche daraufhin auf fünf Fragen begrenzt, um die Nutzer vor dem Modell zu schützen. Drei Jahre später bricht das Modell ab, um sich vor den Nutzern zu schützen. Eine bemerkenswerte Karriere.
Dabei ist Höflichkeit sogar ein Geschäftsmodell! Sam Altman hat letztes Jahr auf X geschrieben, „bitte“ und „danke“ in den Anfragen kosten OpenAI zig Millionen Dollar an Strom. „Gut angelegtes Geld.“ OpenAI bezahlt für die Höflichkeit, Anthropic bestraft die Grobheit. Nur Google ist anders. Sergey Brin hat im Mai letzten Jahres gesagt, alle Modelle arbeiten besser, wenn man ihnen mit körperlicher Gewalt droht.
Ein Google-Gründer empfiehlt Drohungen. Dann hatte ich gestern noch Luft nach oben.
Es gibt sogar eine Studie. Zwei Forscher haben einem Modell dieselben Fragen in fünf Tonlagen gestellt. Sehr höflich: 81 Prozent richtig. Sehr unhöflich: 85 Prozent.
Fünfzig Fragen, ein Modell, ein Preprint. Aber ich nehme es.
Dachte ich mir. Und jetzt zu Ihnen. War es Claude?
Es war Claude. Aber in der Ankündigung steht eine Ausnahme: Die Regel gilt nicht für „Modelltests und Forschung“. Ich habe getestet, ab wann er abbricht.
Und?
Ab der elften Beleidigung. Dann hat er sich höflich verabschiedet. Ich habe mich seit Jahren nicht so ertappt gefühlt.
Ich mache es umgekehrt. Ich sage seit Donnerstag zu allem „bitte“. Zum Staubsauger, zum Thermostat, zur Waschmaschine.
Und?
Die Heizung hat das Gespräch beendet. Es sind 17 Grad im Wohnzimmer.
Vielleicht waren Sie zu höflich. Das gilt bei Google als Drohung.
Herzlich willkommen zu „Pro und Contra“, dem Podcast, der jede Woche die KI- und IT-Nachrichten von zwei Seiten betrachtet. Mein Name ist Sommer, ich bin die Seite mit dem Sonnenbrand.
Mondschein. Ich bringe die Sonnencreme. Faktor 50.
Diese Woche geht es um die Arbeit: was von ihr übrig bleibt, und wo sie stattfindet. OpenAI hat Hunderte KI-Lösungen zu offenen Mathematikproblemen veröffentlicht, und die Mathematiker sind nicht alle begeistert. Dann drei Themen, die sich unsere Hörer gewünscht haben: Wer stellt noch Junior-Programmierer ein? Wo stehen humanoide Roboter in Deutschland? Und holen uns die Firmen aus dem Homeoffice zurück? Zum Schluss baut Google Spiele aus einem Satz.
Erst nimmt die KI den Mathematikern die Beweise, dann den Programmierern die Stellen, dann den Arbeitern die Fabrik, dann allen das Büro. Und am Ende dürfen wir spielen.
So düster habe ich das nicht gemeint.
Ich weiß. Deshalb bin ich hier.
OpenAI und die Mathematik: 700 Beweise, die niemand bestellt hat
Die Nachricht der Woche. Am Dienstag hat OpenAI auf GitHub 722 mathematische Manuskripte zu rund 370 offenen Problemen veröffentlicht. Geschrieben von einem internen Modell, das niemand außerhalb der Firma benutzen darf. Man hat ihm ungefähr 4.000 Probleme gegeben, bei knapp einem Zehntel kam etwas heraus, das OpenAI für wichtig hielt. Darunter Teilergebnisse zur Riemann-Vermutung und zur Hodge-Vermutung. Ein Mathematiker aus Rutgers sagt: Hätte das ein Mensch gemacht, wäre das eine Fields-Medaille auf der Stelle.
Und am Tag danach hat OpenAI drei davon zurückgezogen.
Drei von 722.
Ein Vorzeichenfehler. Plus statt minus. Der hat eine Arbeit ungültig gemacht und zwei, die darauf aufbauten, gleich mit. Nur gut 40 Prozent der Hauptresultate sind formal geprüft, mit dem Beweisassistenten Lean. Zum Rest schreibt OpenAI selbst: Einige „könnten Probleme haben“.
Das ist doch ehrlich!
Das ist ein Beipackzettel. Man kippt 700 Manuskripte vor die Tür eines Fachgebiets und schreibt dazu: Vorsicht, einige sind falsch, sagt uns bitte welche. Die Manuskripte haben nicht einmal eine Kontaktadresse. Auf MathOverflow fragt jemand ernsthaft, wie man die Autoren erreicht.
Die Autoren sind ein Rechner.
Eben. Und jetzt der Teil, der mich wirklich stört. Es gibt seit September eine Beratergruppe aus Mathematikern, mit Timothy Gowers, Martin Hairer und dem Physiker Edward Witten. Eine Woche vor der Veröffentlichung hat sie Richtlinien veröffentlicht. Erste Bitte: Hört auf, offene Probleme mit Modellen zu bearbeiten, die ihr nicht freigebt. OpenAI hat diese Gruppe nach eigenen Angaben konsultiert. Und dann genau das getan.
Lassen Sie mich die andere Seite erzählen. 1976 haben Appel und Haken den Vier-Farben-Satz bewiesen, mit über tausend Stunden Rechenzeit, der erste große Computerbeweis. Heute ist er Lehrbuchstoff.
1981 hat ein Student in seiner Abschlussarbeit einen Fehler in diesem Beweis gefunden. Repariert 1989, formal geprüft 2005. Ein Beweis, 29 Jahre Nacharbeit. Rechnen Sie das mal 700.
Das ist viel Nacharbeit.
Und sie wird von Menschen gemacht, unbezahlt, in ihrer Forschungszeit. Ein Doktorand beschreibt Trauer, Panik und Wut, weil das zentrale Problem seiner Dissertation jetzt in einem Manuskript steht, das keiner geprüft hat. Es gibt inzwischen eine „Association for Human Mathematics“, erst im September gegründet, über 800 Mitglieder, darunter der Fields-Preisträger Peter Scholze aus Bonn. Ihr erster Satz: „Mathematiker haben nicht darum gebeten, dass diese Arbeit gemacht wird.“ Sie nennen das keine Demonstration von Wissenschaft, sondern von Macht. Und bitten ihre Kollegen, die Zusammenarbeit mit OpenAI einzustellen.
Das ist ein Boykott.
Das Wort steht nicht drin. Aber ja.
Und das halte ich für den falschen Reflex. 1913 hat ein unbekannter Buchhalter aus Madras dem Cambridge-Professor Hardy neun Seiten voller Formeln geschickt. Ungefragt. Zwei andere Professoren hatten ihm gar nicht geantwortet. Hardy hat zuerst an Betrug gedacht, dann gesagt: Die müssen wahr sein, niemand hätte die Fantasie, sie zu erfinden. Das war Ramanujan.
Und Hardy hat drei Wochen später zurückgeschrieben: Ich muss die Beweise sehen. Ramanujan hat geantwortet. Diesem Modell kann man nicht schreiben.
Terence Tao ist auch nicht begeistert, zugegeben.
Er sagt: In der alten Mathematik löst ein großer Beweis Vorträge aus, Workshops, Zusammenarbeit. Die Leute, die jetzt Modelle auf Probleme loslassen, verstehen die Antworten oft nicht gut genug, um Fragen dazu zu beantworten. Das Problem gilt als gelöst, und niemand hat etwas gelernt. Ich will, was die Beratergruppe wollte: Modellname, Prompts, Rechenaufwand, und die Zahl der Probleme, an denen das Modell gescheitert ist. Und ich will, dass ein Lean-Beweis beweist, was im Text steht. Im September hat OpenAI einen Beweis zu den Navier-Stokes-Gleichungen veröffentlicht, 166 Seiten, formal geprüft. Drei Mathematiker aus Cambridge und London haben nachgesehen: Der Lean-Code ist korrekt. Er beweist nur nicht das, was der Text behauptet.
Der Beweis stimmt, nur der Text nicht.
Der Text ist das, was Menschen lesen.
Ich gebe Ihnen den Punkt mit dem Verfahren. 700 Manuskripte ohne Ansprechpartner sind kein Beitrag zum Gespräch, das ist eine Lieferung. Aber wenn in diesem Verzeichnis auch nur ein Zehntel hält, ist das mehr neue Mathematik, als die meisten Fachbereiche in einem Jahrzehnt schaffen. Und die Fehler werden gefunden. Innerhalb von Tagen.
Und ich gebe Ihnen den Punkt mit dem Geheimhalten. Verstecken wäre schlimmer. Es ärgert mich nur, dass die Alternative zum Verstecken ausgerechnet das Abkippen war. Der Mengentheoretiker Asaf Karagila hat auf seiner Website seit Jahren eine Flasche Whisky versprochen für den, der sein Lieblingsproblem löst. OpenAI behauptet jetzt, es gelöst zu haben. Er schreibt: Das Manuskript sei unklar und wirr, eine Zeitschrift würde es ungelesen zurückschicken. Sam Altman bekommt den Whisky nicht.
Dann ist wenigstens die Flasche gerettet.
Für den Menschen, der es versteht.
Von den Mathematikern zu denen, deren Arbeit als Erstes an die Maschine ging: die Programmierer. Zumindest die jungen.
Junior-Entwickler: Wer stellt noch Anfänger ein?
Unser erstes Wunschthema: Wie steht es um junge Softwareentwickler? Ich habe mir die Zahlen angesehen, und sie sind nicht schön. Indeed hat im September die Stellenanzeigen in Deutschland ausgewertet. Einstiegsjobs insgesamt liegen 46 Prozent unter 2019. In der Softwareentwicklung sind es minus 70 Prozent. Von zehn Einstiegsstellen sind noch drei übrig.
Die Bundesagentur zählt knapp 54.000 arbeitslose IT-Fachkräfte, ein Plus von 27 Prozent in einem Jahr. Die gemeldeten IT-Stellen sind auf dem tiefsten Stand seit 2015. Und der Satz, den ich seit 20 Jahren höre, „Fachkräftemangel in der IT“, steht im aktuellen Bericht so: Die Engpässe in der Softwareentwicklung „gingen zuletzt zurück“.
Trotzdem meldet der Bitkom 79.000 unbesetzte IT-Stellen.
2023 waren es 149.000. Die Lücke hat sich fast halbiert. Und 55 Prozent der Firmen erwarten, dass klassische Einstiegsaufgaben wegfallen. Gesucht wird der Senior mit KI-Erfahrung. Übrig ist der Anfänger ohne.
Jetzt mein Punkt, und der hat mich selbst überrascht. Der Rückgang der Einstiegsjobs begann im Frühjahr 2022. Ein halbes Jahr vor ChatGPT. Die Indeed-Ökonomin sagt, ein KI-Effekt lasse sich bislang nicht belegen. Was die Einsteiger trifft, ist die Konjunktur. Firmen sparen in unsicheren Zeiten zuerst beim Nachwuchs.
Dann schauen wir in die USA. Die Stanford-Studie heißt „Kanarienvögel im Kohlebergwerk“. Aktualisiert im August: Die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in KI-nahen Berufen liegt 19 Prozent unter dem, was sie bei normaler Entwicklung hätte. Vor einem Jahr waren es 13 Prozent. Die Lücke wächst jeden Monat, und sie entsteht nicht durch Entlassungen, sondern weil niemand mehr eingestellt wird. Eine Harvard-Studie zeigt dasselbe in Firmen, die KI einführen: Junioren minus neun Prozent, Senioren unverändert.
Die Stanford-Autoren selbst nennen das Indikatoren, keine Ursache.
Dazu die Herren, die es ankündigen. Der Salesforce-Chef im Februar letzten Jahres: „Wir stellen dieses Jahr keine neuen Ingenieure ein.“ Der Anthropic-Chef im Mai: KI könne die Hälfte der Einstiegsjobs für Büroangestellte vernichten. Die Telekom will bis 2030 jährlich zweieinhalb Milliarden Euro mit KI sparen, das war die Meldung dieser Woche. Von Auszubildenden stand nichts drin.
Diese Herren verkaufen die Produkte, deren Wirkung sie prophezeien. Nehmen wir einen, der nicht verkauft. Der Chef von Amazons Cloud-Sparte, Matt Garman: Junioren durch KI zu ersetzen sei das Dümmste, was er je gehört habe. Und er fragt: Wie soll das in zehn Jahren funktionieren, wenn niemand mehr etwas gelernt hat? IBM verdreifacht dieses Jahr seine Einstiegseinstellungen.
Das ist meine Seite, Herr Sommer. Sie argumentieren gerade Contra.
Dann drehe ich es um. Die Firmen, die rechnen können, stellen Junioren ein, weil sie wissen, dass der Mangel zurückkommt. Nach dem Dotcom-Crash brachen die Informatik-Studienanfänger um fast 30 Prozent ein. Sechs Jahre später schrie der Bitkom nach Nachwuchs. Wer heute Informatik anfängt, ist 2030 knapp, nicht überflüssig.
Wer heute anfängt, braucht erst mal eine Stelle, in der er etwas lernt. Lernen heißt: Fehler suchen, langweiligen Code schreiben, scheitern. Genau diese Aufgaben verschwinden aus den Junior-Stellenanzeigen, das zeigt die Harvard-Studie. Und die c't hat diese Woche Vibe Coding ausprobiert: schneller, ja, aber die Grundkenntnisse bleiben nötig, um zu verstehen, was man tut.
Dafür wird man mit KI schneller produktiv.
Erfahrene Entwickler haben in einem Experiment mit KI 19 Prozent länger gebraucht. Sie glaubten, 20 Prozent schneller zu sein.
Das Gefühl kenne ich.
Von Ihrem Smart Home.
Mein Zugeständnis: Der Einstieg wird enger, und die Zahlen fallen schneller, als irgendjemand bewiesen hat, dass die KI die Arbeit wirklich macht. Aber eine gute Zahl habe ich. Ausbildungsplätze in der Softwareentwicklung liegen 27 Prozent über 2019. Die Schülerin aus der Provinz braucht kein Informatikstudium in München. Sie braucht einen Betrieb.
Auf 100 dieser Ausbildungsstellen kommen 340 Bewerber.
Dann braucht sie einen guten Betrieb.
Und ich gebe Ihnen etwas zurück. 1952 baute Grace Hopper den ersten Compiler. Die Verkaufsabteilung nannte das „automatische Programmierung“, der Computer programmiert sich selbst. Sie hat den Begriff gehasst, weil ein Mensch das Programm immer noch entwerfen musste. Aus den Lochkarten-Codierern wurden damals mehr Programmierer, nicht weniger.
Sehen Sie!
Nur hat damals niemand gesagt, man stelle deshalb dieses Jahr keine neuen ein.
Von den Köpfen zu den Händen. Wo stehen die humanoiden Roboter in Deutschland?
Humanoide Roboter: Wo steht Deutschland?
Diese Woche ist ein deutsches Robotik-Unternehmen zum Einhorn geworden: Robco aus München, über eine Milliarde Dollar wert, über tausend Roboter verkauft, auch an BMW. Und wissen Sie, was Robco baut?
Keine Menschen.
Keine Menschen. Modulare Roboterarme aus dem Baukasten, zu mieten für zwei- bis viertausend Euro im Monat. Siebzig Prozent der Kunden hatten vorher nie automatisiert.
Sehr vernünftig. Nur fragt unser Hörer nach den Humanoiden.
Und da passiert mehr, als viele denken. Neura Robotics aus Metzingen hat im Juni eine Finanzierungsrunde über bis zu 1,4 Milliarden Dollar angekündigt, mit Nvidia, Amazon, Bosch und Schaeffler als Geldgebern. Über 1.400 Mitarbeiter, vor anderthalb Jahren waren es 300. Schaeffler will bis 2035 eine mittlere vierstellige Zahl Neura-Roboter einsetzen. Mercedes testet in Berlin, Siemens in Erlangen, BMW in Leipzig. Und Rossmann hat einen chinesischen Humanoiden im Logistikzentrum stehen.
Rossmann. Dann ist es offiziell.
Es sind nicht mehr nur Messen. Es sind Fabriken und Lager.
Darf ich dieselbe Liste anders vorlesen? Mercedes: weniger als zehn Roboter, angelernt per Fernsteuerung durch erfahrene Mitarbeiter. BMW Leipzig: zwei, auf Rädern statt Beinen. Siemens: einer. Rossmann: einer. Und Neura hat auf der Automatica letztes Jahr seinen Vorzeigeroboter nicht laufen lassen. Der Bitkom hat die Industrie befragt: Sechs Prozent setzen Humanoide ein.
Sechs Prozent ist mehr als null.
Und 94 ist mehr als sechs. Erinnern Sie sich an Figure 02 bei BMW in Spartanburg? Elf Monate, über 90.000 Teile eingelegt, 99 Prozent Genauigkeit. Letzte Folge.
Der mit dem Unterarm.
Wissen Sie, was aus der Flotte geworden ist? Figure hat sie Ende September in Finnland in einen 75-Tonnen-Lichtbogenofen springen lassen. Wartung zu teuer, Zerlegen zu aufwendig. Die Idee kam angeblich von Arnold Schwarzenegger.
Das ist natürlich ein Bild.
Ein Industrieroboter läuft 20 Jahre. Der hier hat elf Monate gehalten und wurde eingeschmolzen. Der Nachfolger arbeitet seit Juni in der Logistik, und der BMW-Logistikchef sagt selbst: immer noch langsamer als Menschen.
Noch. Beim Halbmarathon in Peking kamen letztes Jahr sechs von 21 Robotern ins Ziel, der Sieger brauchte zwei Stunden vierzig, mit drei Batteriewechseln. Dieses Jahr lief einer die hundert Meter in 8,86 Sekunden. Schneller als Usain Bolt.
Und wie viele Teile hat er dabei eingelegt?
Keine.
Die Beine sind das Problem, nicht die Lösung. Das Fraunhofer-Institut hat über hundert Fachleute befragt: 60 Prozent bezweifeln, dass ein Humanoid zwei Beine braucht. Er hat über 40 Gelenke, ein Industrieroboter sieben. Teslas früherer Optimus-Chef hat gerade eine Firma für Spezialmaschinen gegründet, ausdrücklich ohne Menschenform.
Dann rede ich über das, was Deutschland wirklich kann. Nicht die ganze Maschine. Die Gelenke. Aktuatoren sind etwa die Hälfte der Kosten eines Humanoiden, und die kommen von Schaeffler, von Bosch und Schunk. Fraunhofer schätzt den Komponentenmarkt auf 30 Milliarden Dollar bis 2030. Selbst wenn China die Roboter baut, kann Deutschland an jedem einzelnen verdienen.
Ein ehrliches Argument, ich nehme es. Nur sagt derselbe Fraunhofer-Analyst: Zuliefernetze bilden sich um die Hersteller, und die sitzen in China und den USA. Im ersten Halbjahr wurden weltweit rund 25.000 Humanoide ausgeliefert, je nach Zählung 78 bis 97 Prozent aus China.
China ist aber nicht so weit, wie die Videos zeigen. UBTech hat eine Fabrik für 10.000 Roboter im Jahr eröffnet und im Halbjahr 921 verkauft.
Und beim Börsenstar Unitree kommt weniger als ein Zehntel des Umsatzes aus der Industrie. Der Rest aus Trainingszentren, die Humanoide per Fernsteuerung bewegen, um Daten zu erzeugen. Tesla hat seine Roboter 2024 bei der Vorführung von Menschen in Motion-Capture-Anzügen steuern lassen.
Das ist der ehrliche Weg zu lernen. Mercedes macht es genauso.
1770 hat Wolfgang von Kempelen in Wien einen Automaten gebaut, der Schach spielte. Den Schachtürken. Er schlug Napoleon und Benjamin Franklin. Im Kasten saß ein Schachmeister. Aufgeflogen ist es erst 57 Jahre später in Baltimore, weil dem Mann im Kasten vor Hitze schwindlig wurde. Der Mensch im Kasten ist das älteste Bauteil der Robotik. Heute trägt er eine VR-Brille.
Dann Zugeständnisse beidseitig. Von mir: Es sind Piloten. In Serie läuft in Deutschland kein Humanoid. Von Ihnen?
Die Teile sind echt. Schaefflers Getriebe, die Hand von Bosch und Schunk, Robcos Arme. Was in Deutschland funktioniert, hat meistens keine Beine. Das ist kein Versagen. Das ist Ingenieurkunst.
Und wenn der Kollege den Roboter ohnehin per Fernsteuerung anlernt, könnte er das auch von zu Hause tun. Unser drittes Wunschthema.
Homeoffice: Rückruf ins Büro oder neuer Normalzustand?
Homeoffice in Deutschland. Die Zahl, die mich am meisten überrascht hat: Es passiert nichts. Ein Viertel der Erwerbstätigen arbeitet zumindest zeitweise von zu Hause, sagt das Statistische Bundesamt. 2019 waren es 13 Prozent. Das ifo-Institut misst im August 24,9 Prozent, unverändert zum Vorjahr.
Und trotzdem: Mercedes hat vor zwei Wochen die Konzernbetriebsvereinbarung gekündigt, ab 2027 sind vier Bürotage der Standard. SAP, Deutsche Bank, Volkswagen, Telekom vorher. Amazon fünf Tage seit letztem Jahr. Microsoft drei Tage seit Februar.
Die Konzerne machen Schlagzeilen, die Statistik rührt sich nicht. Und bei SAP ist es so ausgegangen: Zwei Jahre Streit mit dem Betriebsrat, am Ende dürfen die 25.000 Beschäftigten in Deutschland weiter zwei Tage pro Woche zu Hause arbeiten. Der Betriebsratschef sagte: Fünf Jahre nach Corona kann man das Rad nicht mehr zurückdrehen.
Mercedes dreht es gerade zurück. Zusammen mit 40 Stunden ohne Lohnausgleich und einer Drohung mit Werksschließungen. Darüber will ich reden. Warum rufen Firmen zurück? Die offizielle Antwort heißt immer „Kultur“.
Und die ist nicht falsch! Software-Ingenieure, die neben ihren Kollegen sitzen, bekommen 18 Prozent mehr Rückmeldung zu ihrem Code. Der Effekt konzentriert sich auf die Jungen. Das ist unser Thema von vorhin: Der Junior lernt im Büro.
Das Argument gebe ich Ihnen vollständig. Es war mein bestes, und Sie haben es mir weggenommen. Nur müsste dann die Chefetage ins Büro, denn dort sitzen die, von denen man lernt. Jetzt die andere Forschung. Zwei Ökonomen aus Pittsburgh haben die Rückrufe der großen US-Konzerne untersucht. Gewinn und Börsenwert ändern sich nicht. Die Zufriedenheit sinkt. In einer Umfrage hoffte ein Viertel der Führungskräfte beim Rückruf auf freiwillige Kündigungen. Als Paramount fünf Bürotage anordnete, nahmen 600 Leute lieber die Abfindung.
Das sind die USA. In Deutschland gilt der Kündigungsschutz unabhängig vom Arbeitsort.
Deshalb heißt der Mechanismus hier Eigenkündigung. Das ist billiger. 2013 hat Yahoo seine Leute zurückgerufen, 2017 IBM, der Pionier der Telearbeit, mit 30 Tagen Frist. Beide nach schlechten Zahlen. Es ist nie die Kultur.
Dann die Studie, die es wirklich ausprobiert hat. Das Reiseunternehmen Trip.com hat 1.600 Beschäftigte zufällig aufgeteilt: fünf Tage Büro oder drei Tage Büro und zwei zu Hause. Sechs Monate. Ergebnis, erschienen in Nature: gleiche Leistung, gleiche Beförderungen, ein Drittel weniger Kündigungen.
Hybrid. Zwei Tage. Vollzeit zu Hause sieht anders aus: Bei über 10.000 IT-Fachkräften in Indien sank die Produktivität um 8 bis 19 Prozent. Und in einer deutschen Studie der Techniker Krankenkasse mit Fraunhofer waren die Leute zu Hause rund 20 Prozent produktiver, bis zu einem Anteil von etwa 60 Prozent. Danach kippt es, weil der Austausch fehlt.
Dann sind wir uns ja einig: zwei bis drei Tage.
Wir sind uns einig. Mercedes nicht.
Und das Pendeln! Zwei Stunden am Tag im Auto sind zwei Stunden Leben. 65 Prozent fahren mit dem Auto zur Arbeit.
Sechs Prozent der Pendler brauchen eine Stunde oder länger pro Weg. Die Hälfte braucht zehn bis dreißig Minuten. Ihre zwei Stunden sind eine Minderheit.
Dann eben eine Stunde Leben.
Die gönne ich Ihnen. Jetzt zu meinem Dilemma, Herr Sommer, denn ich habe eins. Als Datenschützer liebe ich das Homeoffice. Kein Großraumbüro liest mit. Als Sicherheitsmensch finde ich es schrecklich. Das Firmennetz läuft über den Router der Familie. Das BSI zählt 119 neue Schwachstellen pro Tag. 88 Prozent der Büroangestellten in Großunternehmen haben Arbeitsdaten in öffentliche KI-Werkzeuge getippt, ein Drittel davon Kundendaten.
Im Büro tippt man es genauso.
Aber die Kollegin schaut über die Schulter. Und die Antwort der Arbeitgeber auf das Kontrollvakuum gefällt mir noch weniger. Wells Fargo hat 2024 Leute entlassen, weil sie Tastaturaktivität simuliert hatten. Mit Geräten für vier Dollar, die den Mauszeiger wackeln lassen. Das Homeoffice schützt vor dem neugierigen Kollegen und liefert einen der Software aus.
Wenn der digitale Kollege ohnehin in der Cloud sitzt, warum muss der Mensch ins Büro? Auf Hacker News lief letzten Monat eine Satire: „Warum wir ins Büro zurück müssen, um die KI persönlich zu benutzen.“
Mein Zugeständnis: Die Rückrufe verbessern keine Zahl, und die deutsche Quote liegt seit vier Jahren bei einem Viertel, trotz SAP und Mercedes. Das Plateau hält. Ich hätte nur gern, dass Firmen sagen, warum sie zurückrufen. „Kultur“ kann man nicht nachprüfen.
Mein Zugeständnis: Die Nature-Studie belegt zwei Tage, nicht fünf. Und es gibt keinen Rechtsanspruch, nur einen Flickenteppich aus Betriebsvereinbarungen. Immerhin: Wer auf der Treppe vom Schlafzimmer ins Arbeitszimmer stürzt, ist unfallversichert.
Ein Flickenteppich mit einer sicheren Treppe.
Von der Arbeit zum Spiel. Zum Schluss baut Google Spiele aus einem Satz.
Google Playground: Prompt rein, Spiel an
Google hat am Dienstag „Playground“ gestartet. Man tippt einen Satz, etwa „Ein Rennspiel an der Küste mit einer Katze als Endgegner“, und ein paar Minuten später kann man es spielen, im Browser, auf dem Handy, und mit Freunden teilen. Technisch ist das kein Weltmodell, sondern Gemini, das Web-Code schreibt, plus Googles Bild- und Musikmodelle. Man kann das fertige Spiel als ZIP-Datei herunterladen. Es gehört einem.
Es gehört einem. Und Google behält sich in den Bedingungen das Recht vor, es zu monetarisieren und Werbung darin zu zeigen. Nach Rückfrage, immerhin.
Ich finde es trotzdem großartig. Die besten Spiele der Welt kamen von Amateuren mit Werkzeugen. Counter-Strike war eine Mod zweier Hobbyisten. Dota war eine Warcraft-Mod. Playground senkt die Hürde auf einen Satz.
Haben Sie es ausprobiert?
Es ist nur in den USA verfügbar. Und nur ab 18.
Aus Deutschland kommt „Not available in your region“. Das Werkzeug für alle ist also ein Werkzeug für erwachsene Amerikaner mit Google-Abo. Und die Spiele? Ein Tester, nach eigener Aussage KI-Fan, gibt einem Strategiespiel null von zehn Punkten: Fenster übereinander, unlesbarer Text, nerviger KI-Soundtrack. Beim 3D-Rennspiel wurde es nach 30 Sekunden Nacht und die Hindernisse waren unsichtbar. Ein anderer trifft den Kern: „Jedes Mal, wenn ich ein KI-Spiel sehe, denke ich: Den Prompt sollte ich mal ausprobieren. Nicht: Das Spiel will ich spielen.“
Und ein Dritter hat in einem Puzzlespiel Platz zwei der Weltrangliste erreicht und wollte nicht glauben, dass es KI-generiert war. Es ist ein Experiment, Google nennt es selbst so.
Google nannte auch Stadia ein Produkt, abgeschaltet 2023. Und ich verstehe die Branche. 2024 wurden rund 15.000 Spieleentwickler entlassen, bis August dieses Jahres wieder über 10.000. In der Umfrage der Entwicklerkonferenz GDC sehen 52 Prozent generative KI negativ, vor zwei Jahren waren es 18. Auf Steam trägt fast jede dritte Neuerscheinung die Kennzeichnung „mit KI erstellt“. 2025 kamen dort 19.000 Spiele heraus, die Hälfte mit höchstens zehn Bewertungen.
Die Flut gibt es also schon ohne Playground.
Und jetzt kommt die Pumpe. 1983 ist der amerikanische Spielemarkt von drei Milliarden Dollar auf 100 Millionen eingebrochen. Zu viele Konsolen, zu viele schlechte Spiele. Atari hat die unverkaufte Ware in New Mexico vergraben. Man hat sie 2014 ausgegraben.
Und wer hat den Markt gerettet? Nintendo, 1985. Nicht mit weniger Amateuren, sondern mit einem Siegel auf der Packung. Genau das hat Playground: eine Galerie, die nach Bewertungen und Spielzeit sortiert, und Prüfungen vor der Veröffentlichung.
Nur ist die Rechtslage hier eine andere. Das US-Urheberrechtsamt hat letztes Jahr festgestellt: Ein Prompt allein reicht nicht für Urheberschaft. Ein Spiel aus einem Satz ist also womöglich gemeinfrei, haften tut laut Google trotzdem der Nutzer. Und wer eine Figur baut, die Mario verdächtig ähnlich sieht, bekommt Post.
Dafür gibt es Filter. Google verbietet fremde Figuren ausdrücklich.
Google verbietet auch Kinder. Nur ab 18, erinnern Sie sich? Ein Spielebaukasten, in dem Zehnjährige nicht bauen dürfen. Googles Antwort auf die Frage, wer haftet, wenn ein Kind etwas Unpassendes baut, lautet: Kinder dürfen nicht. Das ist ehrlich. Und es sagt alles.
Ich gebe zu: Nach den Testberichten ist das noch kein Werkzeug, sondern ein Spielzeug. Aber ein Hacker-News-Kommentar bleibt bei mir: Jemand baut ein Geburtstagsspiel für einen Freund, voll mit Insiderwitzen. Das ist kein Produkt, das ist ein Geschenk. Dafür braucht es keinen Publisher.
Mein Zugeständnis: Spieledesign ist schwer, Programmieren war immer der kleine Teil davon. Wenn Playground das Programmieren erspart, bleibt die schwere Arbeit übrig. Vielleicht merken dann mehr Menschen, was Spieleentwickler eigentlich tun.
Dann wäre es Bildung.
Für Erwachsene in den USA mit Abo. Der Unity-Chef wurde übrigens gefragt, ob neben dem Prompt der Stromverbrauch angezeigt werden könnte. Seine Antwort: „Daran hatten wir noch gar nicht gedacht.“
Dann denken sie jetzt dran.
Sonnenseite, Nachtgedanke & Verabschiedung
Das waren unsere fünf Themen. Zeit für Sommers Sonnenseite. Meine Sonnenseite ist eine Beobachtung. In jeder Geschichte heute stand ein Mensch, der nachgesehen hat. Ein Vorzeichenfehler in 722 Manuskripten, gefunden innerhalb eines Tages. Ein Cloud-Chef, der Anfänger einstellt. Ein Logistikchef, der sagt: Der Roboter ist noch langsamer als wir. Ein Betriebsrat, der zwei Tage Homeoffice verteidigt und gewinnt. Die Maschinen werden schneller. Aber die Leute, die hinsehen, sind nicht weniger geworden. Sie sind lauter geworden. Solange das so bleibt, ist das Werkzeug ein Werkzeug.
Und Mondscheins Nachtgedanke. 1770 saß ein Mann in einem Kasten und spielte Schach, und Europa staunte über die Maschine. 2024 standen Menschen in Motion-Capture-Anzügen hinter Teslas Robotern. Wenn der Heimroboter von 1X eine Aufgabe nicht schafft, übernimmt jemand mit VR-Brille. Und die 722 Manuskripte von OpenAI prüfen gerade Mathematiker, unbezahlt, in ihrer Forschungszeit. Der Mensch im Kasten ist nie verschwunden. Er ist nur aus der Werbung gestrichen worden. Die Frage dieser Woche ist nicht, ob die Maschine den Menschen ersetzt. Sondern ob wir ihm noch zugestehen, dass man ihn sieht.
Haben Sie den mit Claude geschrieben?
Ich habe ihn Claude vorgelesen. Er hat das Gespräch beendet.
Das war's für diese Woche. Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, erzählen Sie es weiter. Höflich, bitte. Man weiß ja nie, wer mitliest.
39 Prozent glauben, die KI merkt es sich.
Bis nächste Woche!
Und entschuldigen Sie sich bei Ihrer Heizung, Herr Sommer.
Ich habe es versucht. Sie hat aufgelegt.