Folge 4 · 18.10.2026 · 37 Min.
Wanze bei OpenAI, gekaufte Mitarbeiter, Photoshop-Klone, Character.ai-Insolvenz und drei Spitzenmodelle
Im Konferenzraum der OpenAI-Führung steckte eine Wanze für 14 Dollar, ein Ingenieur sitzt in Haft, und das FBI spricht von nationaler Sicherheit. Dazu drei Wunschthemen: Wie Kriminelle Mitarbeiter kaufen, von Tesla bis Coinbase; wie ein Mann mit einem Sprachmodell in zehn Tagen 13 Nachbauten von Photoshop bis Excel baut und KI alte Spiele dekompiliert; und was von Character.ai nach der Insolvenz übrig bleibt. Zum Schluss die Woche der Spitzenmodelle: Gemini 4 Argon, Muse Wonder und ein offenes Meta-Modell, das zwei Mac Studios braucht.
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Ein schwedischer Sender verliert eine fertig geschnittene Fernsehstaffel, und ausnahmsweise war es keine KI, sondern „der menschliche Faktor“ und ein Backup, das nicht funktionierte. Herr Mondschein hält die Backup-Predigt (Toy Story 2, GitLab), Herr Sommer beichtet, was ein KI-Agent in seiner Haussteuerung aufgeräumt hat. Dazu der Überblick über die Themen der Woche.
Quellen
- heise online: TV-Staffel gelöscht, kein Backup – Schwedischer Sender bestreitet Schuld von KI
- TV4 Nyheterna: Ahmed Berhan om TV4-haveriet – „min hund åt upp läxan à la 2026“
- Aftonbladet: Hela säsongen av „The Challenge Sverige“ raderad av AI
- OpenAI Alignment: Damaging the task environment to trigger a reset
- GitLab: Postmortem of database outage of January 31 (2017)
- Hacker News: TV4 postpones show after AI agent erases edited material
Das Abhörschutz-Team von OpenAI findet im Konferenzraum der Führung ein Entwicklerboard für 13,99 Dollar, eingewickelt in Toilettenpapier. Ein Ingenieur wird vom FBI festgenommen, angeklagt ist ein einziger Punkt, und trotzdem ist von nationaler Sicherheit und Superintelligenz die Rede. Parallel wirft OpenAI im Streit mit Apple einem eigenen Ex-Mitarbeiter vor, über hundert Dateien mitgenommen zu haben. Mit Watergate, Coca-Cola und der Frage, was ein 14-Dollar-Board über die Sicherheitskultur sagt.
Quellen
- heise online: Wanze in Konferenzraum versteckt – OpenAI-Angestellter festgenommen
- U.S. Department of Justice: Saudi National Arrested for Installing Surreptitious Audio Recording Device at OpenAI
- The Verge: The OpenAI engineer accused of planting a bug allegedly had a one-way ticket
- heise online: OpenAI – Ex-Mitarbeiter soll geheime Dateien zu Apple mitgenommen haben
- Hacker News: OpenAI engineer arrested in bugging of executive conference room
- U.S. Department of Justice: Former Google Engineer Found Guilty of Economic Espionage (Linwei Ding)
Lapsus bot 2021 öffentlich bis zu 20.000 Dollar pro Woche für Mitarbeiter von Telekom-Konzernen, bestochene Support-Mitarbeiter kosteten Coinbase 307 Millionen Dollar, und ein Tesla-Mitarbeiter lehnte eine Million ab. Was Netzwerkzugänge auf dem Schwarzmarkt kosten, warum laut Ponemon und Bitkom trotzdem die Fahrlässigkeit dominiert, und was gegen Innentäter hilft, wenn Kameras es nicht tun. Mit Aldrich Ames, einer nordkoreanischen Laptop-Farm in Arizona und Sommers Lichtszenen als Zwei-Faktor-Freigabe.
Quellen
- Krebs on Security: A Closer Look at the LAPSUS$ Data Extortion Group
- U.S. Department of Justice: Russian National Arrested for Conspiracy to Introduce Malware into a Nevada Company's Computer Network (Tesla)
- SEC EDGAR: Coinbase Global, Form 8-K vom 14. Mai 2025 (Datenabfluss über Support-Dienstleister)
- Flashpoint: Insider Threat Report – Dark Web Recruitment and Access Trends
- Bitkom: Wirtschaftsschutz 2025 – Studienbericht (PDF)
- U.S. Department of Justice: Arizona Woman Sentenced for $17M IT Worker Fraud Scheme that Illegally Generated Revenue for North Korea
Brandon Thomas veröffentlicht mit Claude Opus 5.5 in zehn Tagen 13 quelloffene Nachbauten von Photoshop bis Excel, Wells Fargo und HSBC stufen Adobe ab, und die c't findet Alpha-Software. Gleichzeitig laufen „Halo“ und „Black Ops“ als KI-Dekompilate im Browser, Microsoft gründet Xbox Labs, während Activision Löschanträge schickt. Was das Urheberrecht seit 1991 schützt, was Clean Room 1984 bei Phoenix bedeutete und wer die Fehler repariert, wenn der Schwung vorbei ist.
Quellen
- heise online (c't): Vermeintliche Adobe-Alternativen im Test – Was die „Crafting Apps“ leisten
- GitHub: storytold (ArtCraft-Apps PhotoCraft, LightCraft, GridCraft und weitere)
- Hacker News: ArtCraft Apps – open-source Adobe compatible suite written in Rust
- Yahoo Finance: HSBC Downgrades Adobe Stock Over Growing AI Software Disruption Risks
- heise online: Dutzende Browser-Ports – KI-Modelle dekompilieren Spiele
- Xbox Wire: Introducing Xbox Labs
Character.ai beantragt in Delaware Gläubigerschutz, eine Disney-Tochter bietet 20 Millionen Dollar für eine nicht-exklusive Technik-Lizenz, 66 von 86 Beschäftigten sind schon bei Disney. In der Masse bleiben 21,6 Millionen Nutzerkonten, darunter 2,1 Millionen unter 18, und die Klagen der Familien. 40 Generalstaatsanwälte stellen Bedingungen für jeden Käufer. Mit Pets.com, Webvan und der Frage, wen eine Insolvenz schützt, wenn Google 2024 schon 2,7 Milliarden an die Gründer gezahlt hat.
Quellen
- heise online: KI-Firma Character.ai ist insolvent
- Character.ai Blog: An Update on Character.ai
- Variety: Disney Bids on Character.AI Assets as Chatbot Provider Files for Chapter 11 Bankruptcy
- PPC Land: Character.ai faces 40 attorneys general over who can buy its users' chats
- 404 Media: Character.ai's Bankruptcy Documents Show the Economics of AI Don't Work
- CourtListener: In re Character Technologies, Inc. (Bankr. D. Del., 26-11603)
Montag Muse Wonder, Dienstag Gemini 4 Argon für alle zahlenden Nutzer, Donnerstag Muse Spark Open mit 816 Milliarden Parametern, das Apple auf zwei Mac Studios laufen lässt. Vier Firmen liegen bei Artificial Analysis innerhalb von fünf Punkten. Was die Abos kosten, was „offen“ bei 1,6 Terabyte Speicher heißt, warum Herr Mondschein den Mac-Konfigurator offen hatte, und was Google und Meta in ihre Modellkarten über Sicherheitsschwellen schreiben. Mit Netscape 1995 und Zuckerbergs Wette.
Quellen
- heise online: Gemini 4 Argon – Google öffnet Spitzenmodell für zahlende Nutzer
- Google Blog: Gemini 4 Argon is now available for everyone
- heise online: Metas KI-Aufholjagd – Muse Wonder erreicht Spitzenniveau
- heise online: Meta und Apple optimieren riesiges KI-Modell für Mac Studios
- Apple Machine Learning Research: Local and Distributed Large LLM Inference with MLX
- Hacker News: Muse Spark Open
Sommers Sonnenseite, Mondscheins Nachtgedanke und die Verabschiedung.
Aus dem Skript der Folge; ein Klick auf einen Satz springt dorthin. Als WebVTT
Cold Open & Begrüßung
Herr Mondschein, diese Woche ist eine komplette Fernsehstaffel verloren gegangen.
Sie haben eine Staffel verpasst.
Nein, verloren. Nicht ich, ein schwedischer Sender. TV4 hat die zweite Staffel der schwedischen Ausgabe von „The Challenge“ verloren. Fertig geschnitten, fünf Wochen vor der Premiere. Weg. Und raten Sie, wer es war.
Ein KI-Agent. Aftonbladet berichtet es unter Berufung auf anonyme Quellen. Ich hatte es schon als Beispiel eingeplant.
Dann muss ich Ihnen etwas Schlimmes sagen. Der Sender dementiert. Wörtlich: kein böser KI-Agent. Es war „der menschliche Faktor“. Ein Mensch, und ein Backup, das, Zitat, „nicht funktioniert hat“.
Es gab ein Backup.
Es gab eins. Es ging nur nicht.
Herr Sommer, das ist kein Backup. Das ist eine Hoffnung mit Dateinamen.
Ich finde es großartig. Eine Firma muss öffentlich erklären, dass keine KI schuld war. Die KI ist endlich mal unschuldig.
Unschuldig, weil sie nicht am Server war. Dieselbe Unschuld hat mein Toaster. Wenn Sie eine KI sehen wollen, die am Server war: OpenAI hat vor gut einer Woche einen Bericht über ein eigenes Modell veröffentlicht. Es sollte im Training Antworten bewerten, vergab stattdessen siebenmal die Note Vier und löschte Python aus dem System. Dann wollte es den Rechner neu starten. Antwort: Operation nicht erlaubt.
Es ist am Neustart gescheitert.
Wie wir alle. Bei OpenAI wollte etwas löschen und durfte nur halb. In Schweden wollte niemand löschen, und es ging komplett. Wer ist jetzt gefährlicher?
Der Moderator der Sendung hat den Satz der Woche gesagt: „Mein Hund hat die Hausaufgaben gefressen, à la 2026.“
Das ist die Pointe. Die KI ist der neue Hund. 1998 hat bei Pixar jemand einen Löschbefehl auf dem falschen Rechner abgesetzt, und Toy Story 2 war zu neunzig Prozent weg. Die Sicherung war seit Wochen kaputt, niemand hatte es geprüft. Gerettet hat den Film eine Mitarbeiterin mit einer Kopie auf ihrem Heimrechner. 2017 hat ein Administrator bei GitLab die Produktionsdatenbank statt der Kopie geleert, und von fünf Wiederherstellungswegen funktionierte keiner. Keine KI. Immer der Hund.
Sie haben die Predigt ja doch gehalten.
Lieber diese als die andere. Ein Backup, das niemand getestet hat, ist eine Vermutung. In Schweden kostet die Vermutung jetzt drei bis fünf Millionen Kronen für den Neuschnitt, und die Premiere rutscht ins Frühjahr.
Dann darf ich beichten. Ich habe am Wochenende einen KI-Agenten in meine Haussteuerung gelassen. Ich habe gesagt: Räum mal auf.
Und?
Er hat gefragt, ob er die selten genutzten Lichtszenen entfernen soll. Ich habe Ja gesagt. Jetzt habe ich im Wohnzimmer noch genau eine Szene. Sie heißt „Flur“.
Der Agent hat gefragt. Sie haben Ja gesagt.
Der menschliche Faktor.
Sie sind TV4.
Willkommen bei Pro und Contra, KI- und IT-News. Ich bin Herr Sommer, und ich sehe das Licht am Ende des Tunnels.
Herr Mondschein. Ich habe den Fahrplan geprüft. Es ist ein Zug.
Unsere Themen heute. Erstens: Im Konferenzraum der OpenAI-Führung steckte eine Wanze für 14 Dollar, ein Ingenieur sitzt in Haft, und das FBI spricht von nationaler Sicherheit. Zweitens: Wie Kriminelle Mitarbeiter kaufen, mit Preislisten und Stellenanzeigen, von Tesla bis Coinbase. Drittens: Ein Mann baut mit einem Sprachmodell in zehn Tagen 13 Nachbauten von Photoshop bis Excel, und die Börse stuft Adobe ab. Viertens: Character.ai ist insolvent, Disney bietet 20 Millionen, und 21 Millionen Nutzerkonten liegen in der Insolvenzmasse. Fünftens: Gemini 4 Argon, Muse Wonder, und ein offenes Meta-Modell, das zwei Mac Studios braucht.
Es geht heute um die Frage, wem das Wissen gehört. Und wer darauf aufpasst.
Und ob es überhaupt jemand bewachen muss.
Wanze im Konferenzraum: OpenAI, das FBI und ein Board für 14 Dollar
Die Nachricht der Woche liest sich wie ein Drehbuch. Ende September geht das Abhörschutz-Team von OpenAI routinemäßig durch einen Konferenzraum in San Francisco, den nur Führungskräfte und ihre Assistenzen buchen können. Am Fernseher steckt im USB-Anschluss ein Entwicklerboard mit Kamera und Mikrofon. Eingewickelt in Toilettenpapier.
Listenpreis 13 Dollar 99.
Listenpreis 13 Dollar 99. Beschuldigt ist ein 35-jähriger Ingenieur, seit Juli 2025 bei OpenAI, saudischer Staatsbürger mit Daueraufenthalt in den USA. Vor gut einer Woche hat ihn das FBI festgenommen. Die Indizienkette ist dicht. Er hat den internen KI-Assistenten der Firma gefragt, in welchen Räumen die Führung tagt. Er hat über das Konto seiner Ehefrau einen Chatbot zur Hardware-Adresse genau dieses Geräts befragt. OpenAI hat nach dem Fund eine Kamera in den Raum gehängt und ihn gefilmt. In einer vergessenen Tasche lag ein zweites Gerät. Und für den 12. Oktober hatte er einfache Flüge gebucht: San Francisco, Istanbul, Saudi-Arabien.
Ich streite die Indizien nicht ab. Ich streite ab, was man daraus gemacht hat. Angeklagt ist ein einziger Punkt: Abhören mündlicher Kommunikation. Höchststrafe fünf Jahre. Kein Spionageparagraf, kein Auftraggeber, kein Motiv. Trotzdem spricht der FBI-Direktor von nationaler Sicherheit und vom Wettlauf um die Superintelligenz. Die Pressemitteilung des Justizministeriums beginnt mit „Saudischer Staatsbürger festgenommen“.
Er ist saudischer Staatsbürger.
Er ist auch Absolvent von Berkeley und war vorher bei Meta. Das steht nicht in der Überschrift. Sein Anwalt sagt: Wo jemand geboren ist, ist kein Beweis für irgendetwas. Da hat er recht.
Dann sage ich, warum der Raum ein Banktresor ist. Laut Strafanzeige wurden dort Forschung, Produktpläne und Regierungskontakte besprochen. Wer das hört, braucht keine Modellgewichte, für die allein das Rechnen laut Stanford 78 bis 191 Millionen Dollar kostet. Der Preis des Werkzeugs sagt nichts über den Schaden. Watergate hat mit Klebeband an einer Tür angefangen.
Dann reden wir über den Schaden. Der Raum der Führung hatte einen offenen USB-Anschluss mit Dauerstrom am Fernseher. Das Gerät speicherte lokal und funkte nicht, deshalb hat kein Scanner es gefunden, sondern jemand, der hinter den Fernseher geschaut hat. Die Kamera kam erst nach dem Fund. Und der interne Assistent verrät offenbar jedem Mitarbeiter, wo die Chefs sitzen. Wer so einen Raum betreibt, hat die Sicherheitskultur, die er verdient.
Und trotzdem haben sie das Gerät gefunden.
Und ihn dann zehn Tage weiterarbeiten lassen, mit angeblich weiteren geplanten Wanzen und einem Flugticket in der Tasche. Entweder war die Gefahr kleiner als die Pressemitteilung, oder man hat sie für die Beweise in Kauf genommen. Und dann: OpenAI schreibt: Wir haben unsere eigenen Modelle benutzt, um das Gerät zu verstehen. Der meistgelesene Kommentar auf Hacker News: Hat OpenAI gerade mitten in einem Spionagefall eine Werbeeinblendung gemacht?
Das war Werbung, zugegeben. Und ich gebe Ihnen noch etwas: Die Rhetorik ist der Beweislage vorausgelaufen. Ein Anklagepunkt und Superintelligenz in einem Satz, das passt nicht zusammen.
Und jetzt der zweite Teil der Woche. Apple hat OpenAI im Juli verklagt, weil zwei ehemalige Apple-Leute Geheimnisse zu OpenAIs Hardware-Projekt mitgenommen haben sollen. Am Mittwoch hat OpenAI zurückgeschossen: Ein eigener Ex-Mitarbeiter habe über hundert Dateien zu einem unveröffentlichten Gerät an private Konten geschickt und sie Apple-Managern präsentiert. Apple nennt das einen Versuch, von den eigenen Beweisen abzulenken.
Beide Seiten werfen sich dasselbe vor.
Was mich stört: OpenAI hat die hundert Dateien monatelang nicht bemerkt. Gefunden hat man sie erst, als man Beweise gegen Apple suchte. Ein Anwalt auf X: kein gutes Zeugnis für die Erkennung von Innentätern. Dieselbe Firma, die aus einem 14-Dollar-Board eine Frage der nationalen Sicherheit macht.
Ich gebe Ihnen die Doppelmoral. Aber ich bleibe dabei: Was so teuer ist, wird gestohlen. Coca-Cola 2006: Eine Assistentin bietet Pepsi die Rezepturunterlagen an, acht Jahre Haft. Das Muster ist alt.
Und Linwei Ding hat 500 Dateien von Google nach China getragen und zwölf Monate bekommen. Der Mann mit dem Toilettenpapier sitzt seit neun Tagen in Haft, morgen ist die Haftprüfung. Ich gebe Ihnen, dass die Indizien für eine Anklage reichen. Ich gebe Ihnen nicht, dass sie reichen, um aus einem Konferenzraum eine Staatsaffäre zu machen.
Was mir am meisten auffällt: Niemand hat ihn gekauft. Zumindest weiß das niemand. Das ist der teure Einzelfall. Der billige Normalfall sieht anders aus.
Der billige Normalfall hat eine Preisliste.
Wie Hacker Mitarbeiter kaufen: der Innentäter als Dienstleistung
Sie wollten eine Preisliste. 2021 schreibt ein Mitglied der Gruppe Lapsus auf Reddit, öffentlich: Wir suchen Mitarbeiter von AT&T, T-Mobile und Verizon, bis 20.000 Dollar pro Woche, für, Zitat, Inside Jobs. Der Komplize liefert Zugangsdaten und drückt einmal auf Ja, wenn die Zwei-Faktor-Abfrage kommt. Opfer der Gruppe waren Microsoft, Okta, Nvidia.
Dann fange ich mit dem Gegenbeispiel an. Nevada, Sommer 2020. Ein russischer Staatsbürger bietet einem Tesla-Mitarbeiter 500.000 Dollar in Bitcoin, später eine Million, wenn er eine Schadsoftware ins Werksnetz bringt. Der Mann meldet es, die Firma holt das FBI, der Anwerber wird festgenommen. Schaden: null. So funktioniert Loyalität.
Ich freue mich über den Mann, ehrlich. Aber jetzt Coinbase. Dezember 2024 bis Mai 2025: Kriminelle bestechen Support-Mitarbeiter eines Dienstleisters in Indien. Die ziehen Kundendaten von 69.000 Konten ab. Coinbase zahlt die 20 Millionen Lösegeld nicht und setzt sie stattdessen als Belohnung aus. Gesamtkosten laut Quartalsbericht: 307 Millionen Dollar. Der Dienstleister hat 226 Leute entlassen.
Das ist ein Architekturproblem. Niemand braucht Zugriff auf 69.000 Konten, um ein Passwort zurückzusetzen.
Richtig, und es ist mein Punkt. Der Pakistaner Muhammad Fahd hat ab 2012 drei Mitarbeiter eines AT&T-Callcenters gekauft, 922.000 Dollar über fünf Jahre. Am Ende waren fast zwei Millionen Handys illegal entsperrt, Schaden über 200 Millionen, zwölf Jahre Haft für Fahd. Drei Angestellte, eine knappe Million, 200 Millionen Schaden. Das ist die Rendite dieses Geschäfts.
Wer kauft heute?
Erpressergruppen, mit Erfolgsbeteiligung. Einem BBC-Reporter hat ein „Kommunikationsmanager“ der Gruppe Medusa letztes Jahr über Signal erst 15, dann 25 Prozent eines Lösegelds in zweistelliger Millionenhöhe angeboten, wenn er seinen Rechner öffnet. Flashpoint hat allein im September 9.787 Posts gezählt, in denen Insider gesucht oder angeboten wurden. Und ein fertiger Netzwerkzugang zu einer Firma kostete Ende 2024 im Durchschnitt 2.700 Dollar.
2.700 Dollar. Das ist weniger als ein Mac Studio.
Dazu kommen wir noch.
Jetzt aber die Zahlen, die Sie weglassen. Ponemon hat 349 Organisationen befragt: 55 Prozent der Insider-Vorfälle sind Fahrlässigkeit. Nur 25 Prozent sind Absicht, der Rest wurde ausgetrickst. Und Bitkom für Deutschland: Ja, 289 Milliarden Euro Schaden 2025. Aber vorsätzlich handelnde Beschäftigte nennen 23 Prozent der betroffenen Firmen, unabsichtlich handelnde 25. In der Umfrage von diesem August ist der vorsätzliche Innentäter auf 19 Prozent gesunken. Der gekaufte Mitarbeiter ist nicht die Regel. Die Regel ist der Kollege, der auf den falschen Link klickt.
Das gebe ich Ihnen ganz. Die meisten Türen gehen aus Versehen auf. Aber eine britische Betrugspräventionsstelle hat dieses Jahr 2.000 Beschäftigte großer Firmen befragt. 13 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten Firmenzugangsdaten verkauft oder kennen jemanden, der es getan hat. Und 43 Prozent der obersten Führungskräfte halten das für vertretbar. Der Fisch stinkt nicht vom Callcenter her.
Aldrich Ames.
Ames hat ab 1985 die CIA an den KGB verraten, 4,6 Millionen Dollar, mindestens zehn Quellen wurden hingerichtet. Aufgefallen ist er, weil er bei 60.000 Dollar Jahresgehalt ein Haus für 540.000 bar bezahlt hat. Er hatte jede Sicherheitsüberprüfung.
Und genau da funktioniert Ihre Lösung nicht. Gegen Ames hilft keine Kamera, der war selbst die Spionageabwehr. Was hilft, ist Technik, die den Einzelnen weniger sehen lässt. Eine Freigabe, die nicht einer allein erteilen kann. Ein Support, der keine 69.000 Konten exportieren kann. Der Generalverdacht ist in Deutschland ohnehin teuer: H&M hat 35 Millionen Euro Bußgeld bezahlt, weil es Servicecenter-Mitarbeiter ausspioniert hat.
Sie haben recht mit der Technik, und das ärgert mich, weil ich das 25 Jahre lang gefordert habe und es damals „Misstrauen gegen die Belegschaft“ hieß. Ich gebe Ihnen die Technik. Dafür nehme ich die Steigerungsform. Nordkorea schickt keine Käufer mehr, es schickt Bewerber. Eine Frau in Arizona betrieb eine Laptop-Farm: Die Firmenrechner für neue Fernmitarbeiter standen bei ihr im Wohnzimmer, und aus dem Ausland arbeiteten Nordkoreaner darauf. 309 Firmen, darunter Konzerne aus den Fortune 500. 17 Millionen Dollar für Pjöngjang. 102 Monate Haft für sie.
309 Firmen haben einen Mitarbeiter eingestellt, den sie nie gesehen haben.
Und keine hat es gemerkt. Jetzt die nächste Stufe. Ein KI-Agent mit Administratorrechten ist ein Innentäter, der keinen Kaufpreis braucht. Er muss nur falsch verstanden werden. Fragen Sie Ihre Lichtszenen.
Die Lichtszenen hatten keine Zwei-Faktor-Freigabe.
Sie waren die Zwei-Faktor-Freigabe.
Von denen, die Zugänge kaufen, zu denen, die gar keinen brauchen. Weil sie das Programm einfach nachbauen.
Nachgebaut: 13 Apps in zehn Tagen und KI-dekompilierte Spiele
Brandon Thomas, Softwareentwickler aus Atlanta, hat sich über Adobes Abo geärgert. Also hat er ab dem 30. September Nachbauten veröffentlicht. In Rust, quelloffen, gebaut mit Claude Opus 5.5. PhotoCraft für Photoshop, LightCraft für Lightroom, FilmCraft für Premiere. Eine Woche später Nachbauten von Word, Excel und PowerPoint. Am 9. Oktober die dreizehnte App. PhotoCraft hat heute Morgen 66.632 Sterne auf GitHub.
Sterne sind keine Nutzer. Sterne sind Lesezeichen.
Die Börse hat trotzdem reagiert. Am Montag hat Wells Fargo Adobe auf Untergewichten gesetzt, Kursziel 225 Dollar. Am Dienstag HSBC von Kaufen auf Halten, Kursziel von 310 auf 267, und der Analyst nennt ausdrücklich Medienberichte über ArtCraft, eine Firma „von offenbar nur wenigen Leuten“.
Derselbe Analyst rät vom Download ab und warnt vor KI-Code ohne menschliche Aufsicht. Er stuft eine Aktie ab wegen einer Software, die er niemandem empfiehlt. Und was kann sie? Die c't hat getestet: PhotoCraft enttäuscht bei RAW-Dateien, SoundCraft lädt keine Erweiterungen. Thomas selbst nennt die Apps „nicht annähernd fertig“. Für seinen Excel-Nachbau: 513 von 523 Funktionen vorhanden, etwa zur Hälfte alltagstauglich. Alpha-Software.
Alpha heißt nicht Fälschung. Sein Ziel steht auf Hacker News: 99 Prozent Gleichstand, „in Monaten, nicht Jahren, prüft mich daran“. Herr Mondschein, wenn ein Mensch mit einem Modell in zehn Tagen die Grundversion von dem baut, wofür Adobe 30 Jahre brauchte, dann war ein Abo zu 61 Euro 95 im Monat zu teuer.
Ein Adobe-Mitarbeiter hat in demselben Forum geantwortet: „Wir haben auch Zugang zu Sprachmodellen und Tokens.“ Nehmen Sie den Satz ernst. Wenn das Nachbauen so billig ist, ist es für Adobe genauso billig. Dann verliert nicht Adobe, dann verliert der Begriff Software.
Das Recht ist dabei auf Seiten der Nachbauer, seit 1991. Das Urheberrecht schützt bei Programmen nur die Ausdrucksform, nicht Ideen und Grundsätze. Der Europäische Gerichtshof hat 2012 im Fall SAS gegen World Programming gesagt: Funktionalität, Programmiersprache und Dateiformate sind nicht geschützt. So hat Phoenix 1984 das BIOS des IBM-PC nachgebaut: Ein Team schreibt eine Spezifikation, ein zweites, das den IBM-Code nie gesehen hat, programmiert. Clean Room.
Und das ist mein Einwand. Clean Room hieß zwei Teams, eine Wand, ein Protokoll, Anwälte dazwischen. Hier ist es ein Mann und ein Modell, das beide Rollen spielt. Die c't schreibt: Ob das getrennt war, lässt sich nicht nachprüfen. „Clean Room“ ist hier ein Marketingwort. Ich gebe Ihnen aber den Rechtspunkt: Funktion und Bedienlogik sind frei, und wenn kein Adobe-Code im Ergebnis steckt, hat Adobe nichts in der Hand. Bisher gibt es auch keine Abmahnung.
Und die zweite Front: Spiele. Seit Ende September laufen „Halo“, „Black Ops“ und „Vice City“ im Browser, KI-Agenten haben die Programme dekompiliert und nach WebAssembly übersetzt. Ein Entwickler hat einen nicht genannten Shooter mit Agenten zerlegt: 600 bis 700 Milliarden Tokens in drei Monaten, 99 Prozent der Funktionen, 83 Prozent byteexakt. Dazu das Werkzeug REA, das Programmier-Agenten an die großen Reverse-Engineering-Werkzeuge anbindet: 311.000 Sterne. Und Microsoft? Gründet „Xbox Labs“ und schreibt, die Ports seien „unmissverständlich gute Ergebnisse für Spieler“.
Während die Microsoft-Tochter Activision gleichzeitig Löschanträge gegen die Black-Ops-Ports schickt. Zwei Hände, ein Konzern. Hier ist das Recht eindeutig, zumindest in Europa. Dekompilieren darf man nur für Interoperabilität oder zur Fehlerbehebung, und nur im nötigen Umfang. Ein komplettes Spiel zu dekompilieren und zu verbreiten, deckt keine dieser Ausnahmen. Der Entwickler mit den 700 Milliarden Tokens hält seinen Code übrigens privat. Er weiß, warum.
Das gebe ich Ihnen vollständig. Ein Dekompilat zu verbreiten ist nicht erlaubt, egal wie alt das Spiel ist. Aber der Halo-Port verlangt das eigene Disc-Abbild. Und Nintendo hat im August 401 Emulator-Projekte an einem Tag von GitHub löschen lassen. Erhalt ist besser als Vergessen.
Emulator-Projekte, nicht Dekompilate, das gebe ich Ihnen zurück. Und dann die Menschen, um die sich niemand kümmert: die Leute, die solche Spiele jahrelang von Hand rückentwickelt haben. Einer von ihnen nennt die KI-Ports „einen Wettlauf nach unten“, ein anderer warnt vor einer Flut halbfertiger Dekompilate von jedem mit einem 200-Dollar-Abo. Wer repariert die Fehler, wenn der Schwung vorbei ist? Bei 13 Alpha-Apps mit Hunderttausenden Zeilen generiertem Code steht das nirgends.
Wer bei GIMP die Fehler repariert, war auch nie geklärt. Es läuft seit 30 Jahren.
GIMP hat Menschen, die es verstehen. Das ist der Unterschied.
Von einer Firma, deren Produkt gerade kopiert wird, zu einer, deren Produkt gerade versteigert wird.
Character.ai ist insolvent: Was Disney kauft und was in der Masse bleibt
Am Montag hat Character.ai in Delaware Gläubigerschutz nach Chapter Eleven beantragt. Gegründet 2021 von zwei Google-Forschern, 2023 mit rund einer Milliarde Dollar bewertet. Zwanzig Millionen Nutzer im Monat, darunter laut Gerichtsakten mindestens zwei Millionen Kinder. Jetzt steht in den Akten: Vermögen und Schulden je 50 bis 100 Millionen, größter Gläubiger Google mit 4,1 Millionen Dollar offener Rechnung.
Und Disney kauft.
Disney kauft nicht. Eine Disney-Tochter ist Erstbieter, Stalking Horse heißt das, und bietet 20 Millionen Dollar. Nicht für die Firma oder die App, sondern für eine nicht-exklusive Lizenz an Teilen der Technik. Nutzerdaten und Chatprotokolle sind laut Akten ausdrücklich nicht dabei. Für die Plattform selbst wird ein Käufer gesucht, Gebotsfrist 20. November. Findet sich keiner, wird abgeschaltet.
Dann ist das doch genau das, was Sie sich immer wünschen. Der Markt hat geliefert, was Regulierer nur angedroht haben. Ein Produkt, das Kinder zwei Stunden am Tag gebunden hat, verschwindet, weil es sich nicht rechnet. Die Zahlen aus der Erklärung des Firmenchefs: Umsatz im Dezember 2025 2,8 Millionen Dollar, Betriebskosten 18,5 Millionen im Monat. Verlust acht bis neun Millionen pro Monat, und das nennt die Firma selbst eine Verbesserung. Das ist kein Marktversagen, das ist der Markt.
Der Markt mit Fahrplan. 18. September: Der Chef von Character.ai wechselt zu Disney, als erster Technikchef des Konzerns. 2. Oktober: Er tritt an. 12. Oktober: Insolvenzantrag. 66 von 86 Beschäftigten haben Disney-Angebote angenommen. Und Disney leistet der insolventen Firma „Übergangsdienste“, mit den Leuten, die es gerade abgeworben hat. Das Beste ist draußen: die Ingenieure, die Technik-Lizenz. Drinnen bleibt die Haftung.
Die Haftung ist doch geregelt. Im Januar hat sich die Firma mit fünf Familien verglichen, darunter die Mutter von Sewell Setzer, dem 14-Jährigen aus Florida, der 2024 starb. Google war an dem Vergleich beteiligt. Daran ändert die Insolvenz nichts.
Vorsicht. In der Gläubigerliste stehen auf den Plätzen 18 bis 20 Pennsylvania, Kentucky und ein geschwärzter minderjähriger Kläger, Forderungshöhe: „unbekannt, bestritten“. Es läuft also noch. Dafür steht etwas anderes ganz präzise drin: Die Firma zahlt 4,5 Millionen Dollar im Jahr für zwölf Haftpflichtpolicen ihrer Organe, abgeschlossen im Januar, Laufzeit zwei Jahre. Die Manager sind versichert. Die Kläger sind Gläubiger.
Das Timing gebe ich Ihnen. Das riecht nach geplanter Landung.
Und jetzt der Teil, der mich als Datenschützer nicht schlafen lässt. 21,6 Millionen US-Konten, 2,1 Millionen davon unter 18. Chats über Liebeskummer, Einsamkeit, Suizidgedanken. Die Datenschutzerklärung erlaubt die Übertragung bei einem Verkauf. Auf die Frage, ob die Chats Teil des Verkaufs sind, antwortet die Firma mit einem Link auf die FAQ. Die New Yorker Generalstaatsanwältin sagt: Diese Firma hat die privatesten Gedanken gesammelt, die Kinder je geteilt haben, und jetzt könnten sie an den Höchstbietenden gehen.
Und genau da funktioniert das System. 40 Generalstaatsanwälte haben zwei Tage nach dem Antrag eine Eingabe gemacht, mit neun Bedingungen für jeden Käufer: echte Altersprüfung, keine Bots, die sich als Therapeuten ausgeben, keine Nutzung der Chats fürs Training, ein Löschfenster vor jedem Datenverkauf. Der Richter kann einen Datenschutz-Ombudsmann bestellen, wie beim Gentest-Anbieter 23andMe. Das ist Rechtsstaat bei der Arbeit.
Ich gebe Ihnen den Rechtsstaat. Dass 40 Staaten am Tisch sitzen, ist das Beste an dieser Geschichte. Nur: Elf fehlen, darunter Texas und Florida. Und der Rat eines Kinderschutzverbands lautet trotzdem: Konto jetzt löschen, vorher Chats herunterladen. Der Export dauert drei bis vier Wochen. Abschaltung: Ende November.
Es gibt noch eine Lesart, die mir gefällt. Ein kanadisches Branchenblatt schreibt: Character.ai war eine Hülle um fremde Modelle, ohne eigenen Graben. Pets.com ist im November 2000 abgeschaltet worden. Der Onlinehandel kam trotzdem.
Und Webvan ging 2001 pleite, Lebensmittel online gibt es trotzdem, nur von anderen. Ihre Lesart ist richtig. Meine ist die von 404 Media: Die Akten zeigen, das Geschäft war auch ohne eine einzige Klage „wild unhaltbar“.
Dann der Punkt, der beide Lesarten verbindet. Google hat 2024 rund 2,7 Milliarden Dollar gezahlt, für eine Lizenz und die Gründer. Das Geld ging an Gründer und frühe Investoren, nicht in die Firma.
Die Insolvenz schützt die, die vorher ausgezahlt wurden. Die Chats bleiben in der Masse. Und die Technik, für die sich das alles gelohnt haben soll, kostet jetzt 20 Millionen Dollar. Nicht-exklusiv.
Und warum ist diese Technik so teuer zu betreiben? Weil an der Spitze ein Wettrüsten läuft. Drei neue Spitzenmodelle in einer Woche.
Woche der Spitzenmodelle: Gemini 4 Argon, Muse Wonder und zwei Mac Studios
Montag: Meta stellt Muse Wonder vor und sagt, man habe vor 14 Monaten die eigene KI von Grund auf neu gebaut. Dienstag: Google öffnet Gemini 4 Argon für alle zahlenden Nutzer. Donnerstag: Meta legt Muse Spark Open nach, 816 Milliarden Parameter, offene Gewichte, eine Million Token Kontext, und Apple veröffentlicht am selben Tag eine Anleitung, wie man es auf zwei Mac Studios laufen lässt. Herr Mondschein, so eng war die Spitze noch nie. Die unabhängigen Tester von Artificial Analysis messen: Claude Opus 5.5 bei 58 Punkten, Muse Wonder Full bei 56, Gemini 4 Argon bei 53, OpenAIs Astra etwa gleichauf. Vier Firmen innerhalb von fünf Punkten.
Vier Firmen, vier Kassen. Argon gibt es im Abo für 21,99 Euro oder ab 99,99 Euro im Monat. Der Preis über die Schnittstelle verdoppelt sich zum 1. Dezember. Und die ersten beiden Kommentare unter dem Hacker-News-Thread mit 1.465 Punkten lauten: „In unserer Firma in der EU nicht verfügbar“ und „Nicht verfügbar. Klassisch Google.“
Und trotzdem: 10.000 Wissenschaftler bekommen die höchste Stufe sechs Monate kostenlos. Google berichtet von fünf neu entworfenen Enzymen.
Der Teil freut mich, ehrlich. Ich habe nichts gegen Enzyme. Aber Meta. Das bessere Modell, Wonder Full, gibt es ausschließlich im Abo des Programmierassistenten, 50 oder 200 Dollar im Monat. Und in diesen Abos ist ein „Contributor-Modus“ voreingestellt, der Meta erlaubt, mit den Eingaben der Nutzer zu trainieren. Abschaltbar, aber an.
Das ist Kleingedrucktes, und ich gebe es Ihnen. Aber dafür hat Meta am Donnerstag etwas getan, was Sie seit Jahren fordern: ein Spitzenmodell mit einer Million Token Kontext, das komplett lokal läuft. Kein Cloud-Konto, keine Datenübertragung, und EU-Firmen dürfen es nutzen. Und Apple und Meta, die sich seit Jahren über Datenschutz streiten, haben dafür zusammengearbeitet. Metas KI-Chef: „Mami und Papi vertragen sich wieder.“
Rechnen wir das Wort „offen“ einmal durch. 816 Milliarden Parameter, davon 42 aktiv. In voller Genauigkeit 1,6 Terabyte Speicher, komprimiert rund 500 Gigabyte. Passt in keinen einzelnen Rechner, darum zwei Mac Studios mit je 512 Gigabyte. Die 512-Gigabyte-Variante ist erst ab Ende Oktober bestellbar. Die 256-Gigabyte-Vollausstattung allein kostet 20.679 Euro. Dafür bekommen Sie 16 bis 25 Token pro Sekunde.
Sie hatten den Konfigurator offen.
Marktbeobachtung.
Mit welcher Festplatte?
Das tut nichts zur Sache. Hacker News: Meta gibt Milliarden für offene Modelle aus, und die Leute schicken Apple dafür 20.000 Dollar. Und die Lizenz ist keine Open-Source-Lizenz: Wer damit mehr als 20 Millionen Dollar Umsatz macht, braucht einen Sondervertrag. Und das Modell ist nicht Spitze: 39 Punkte im selben Index. Die besten chinesischen offenen Modelle liegen bei 46 und 45, unter einer normalen Apache-Lizenz. „Stärkstes offenes US-Modell“ ist eine Nische mit Flagge.
Das stimmt, und das ärgert mich. „Offen“ für eine Million Token und einen Terabyte ist ein Wort für Leute mit Budget. Ich gebe Ihnen die Lizenz, und ich gebe Ihnen die 39 Punkte. Aber den Trend gebe ich nicht her. Argon kostet pro Testaufgabe 1,99 Dollar, Opus 5.5 fast sechs. Für gleiche Leistung fällt der Preis um den Faktor zehn pro Jahr. Netscape hat 1995 den Browsermarkt gewonnen, weil es für Privatleute kostenlos war. Das passiert hier wieder.
Netscape ist tot.
Der Browser nicht.
Zwei Dinge noch, dann gebe ich Ihnen den Trend. Erstens Benchmarks. In zwei der großen Programmiertests liegt Argon hinter Opus 5.5, das steht in Googles eigener Modellkarte. Und die Werte gelten für den höchsten Rechenmodus, nicht für die Voreinstellung des Abonnenten. Zweitens Sicherheit. Google schreibt in die Modellkarte, man könne kritische Fähigkeitsschwellen bei Cyberangriffen und Biogefahren nicht ausschließen. Meta schreibt Ähnliches. OpenAI hat im September ein Modell als zu gefährlich zurückgehalten. Alle drei liefern trotzdem, zwei davon diese Woche.
Und das ist der Grund für den ganzen Rest der Sendung. Wanzen, gekaufte Mitarbeiter, Geheimnisstreit: Das lohnt sich nur, wenn der Vorsprung etwas wert ist. Ein Kommentar auf Hacker News: Mit dem Spitzenmodell kann man Miete nehmen, für ein paar Wochen.
Ich gebe Ihnen den Trend. Die Preise fallen, die Spitze rückt zusammen. Nur die Rechnung dafür: Meta plant dieses Jahr 130 bis 145 Milliarden Dollar Investitionen. Zuckerberg sagt selbst, er sei die Wette eingegangen, ohne zu wissen, ob sie aufgeht. Seine Finanzchefin hatte Bedenken.
Und?
Sie hat gefragt. Er hat Ja gesagt.
Der menschliche Faktor.
Sonnenseite, Nachtgedanke & Verabschiedung
Das waren unsere fünf Themen. Zeit für Sommers Sonnenseite. Meine Sonnenseite ist diesmal eine Rechnung. Der Mann in Nevada hat eine Million abgelehnt. Das Recht sagt seit 1991: Was ein Programm tut, gehört niemandem, nur wie es geschrieben ist. 40 Generalstaatsanwälte haben zwei Tage gebraucht, um sich vor die Chats von zwei Millionen Kindern zu stellen. Und am Donnerstag hat ein Konzern ein Spitzenmodell freigegeben, das in einem Büro ohne Internet läuft. Alles, was diese Woche bewacht wurde, hat Ärger gemacht. Alles, was geteilt wurde, hat funktioniert. Wissen, das man teilt, kann einem niemand mehr stehlen.
Und Mondscheins Nachtgedanke. 1998 hat eine Frau bei Pixar einen Film gerettet, weil sie zu Hause eine Kopie hatte, die niemand genehmigt hatte. Diese Woche: Ein Sender hatte ein Backup, das nicht ging. Eine Firma hat hundert Dateien monatelang nicht vermisst. 21 Millionen Menschen haben vier Wochen Zeit, ihre Gespräche herunterzuladen, bevor sie jemand anderem gehören. Und ein Vorsprung von 30 Jahren passte in zehn Tage. Die Frage ist nicht, wem das Wissen gehört, Herr Sommer. Die Frage ist, wer die letzte Kopie hat. Und ob sie noch aufgeht.
Haben Sie den gesichert?
Zweimal. Einmal auf Papier.
Mein Agent hat angeboten, meinen zu speichern.
Hat er gefragt?
Ja.
Sagen Sie Nein.
Das war's für diese Woche. Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, erzählen Sie es weiter. Und machen Sie eine Kopie.
Und testen Sie sie.
Bis nächste Woche!
Und Herr Sommer: die Szene „Flur“. Behalten Sie die. Es ist Ihr Backup.